Das nächste Geleitsfest findet im Juli 2015 mit dem Löffeltrunk am 19.07.2015 auf dem Marktplatz.
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Im
Mittelalter zogen Kaufmannszüge aus allen Himmelsrichtungen zur Frankfurter Messe.
In Seligenstadt waren es die Kaufleute aus Nürnberg und Augsburg, die hier
die letzte Rast nach einem beschwerlichen und gefährlichen Weg durch den rauen
Spessart oder entlang des Maines einlegten. Gefährlich deswegen, weil
Raubritter und Räubergesindel den „Pfeffersäcken“ auflauerten, um sie zu
berauben. Darum war es bald notwendig, dass für einen bewaffneten Schutz
gesorgt wurde. Kein Geringerer als der Staufenkaiser Friedrich II. war es,
der im Jahre 1240 die Kaufmannszüge unter den kaiserlichen Schutz stellte und
einen Geleitsbrief aufstellte. Von nun an mussten die Landesherren
bewaffnetes Geleit stellen. Im Bereich Seligenstadt, genauer gesagt an der
Grasbrücke zwischen Stockstadt und Seligenstadt (heutige Gaststätte
Schwalbennest), fand ein wichtiger Wechsel der Schutztruppen statt:
Frankfurter Geleitstruppen übernahmen von den Kurmainzerischen
Geleitsrittern die Schutzfunktion. |
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Im 16. Jahrhundert übernachtete
das Geleit in Seligenstadt oder Aschaffenburg. In späteren Jahrhunderten war
Seligenstadt der mittägliche Rastort. Während die
Kaufleute in den Seligenstädter Gasthäusern abstiegen, hatte das Kloster die
Geleitstruppen und kurfürstlichen Beamten zu verköstigen. Im Laufe der Jahre
entwickelte sich bei den Kaufleuten der sogenannte Hänselbrauch, d.h.
Neuankömmlinge mussten den einen Liter fassenden Löffel, der ihnen mittels
einer Kette um den Hals gelegt wurde, in einem Zug leertrinken. Wer diese
Tortur nicht schaffte, musste die „Compagnie“ freihalten. Erst dann wurde er
Mitglied der Gemeinschaft und in die Zunft oder Compagnie der Kaufleute
aufgenommen. Dieser Brauch wird bis heute
gepflegt und er ist der Höhepunkt des nun alle 4 Jahre stattfindenden
Geleitsfestes, wenn am Sonntagnachmittag nach dem historischen Geleitszug
drei Kandidaten öffentlich auf dem Seligenstädter Marktplatz den Löffel
trinken. Da diese Zeremonie in früherer Zeit ein Rechtsbrauch darstellte,
wurden die Vorgänge genau protokolliert, und diese Löffelbücher sind bis
heute die wichtigste Quelle über dieses sicherlich einmalige Brauchtum.
Dort können Sie drei
historische Seligenstädter Gäste- oder Löffelbücher einsehen. |
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In unserem Zeitalter sind solche Vexationen, wie der Löffeltrunk auch genannt wurde, nicht
mehr üblich. Man beschränkt sich heute darauf, hohen Gästen der Stadt den
Willkommenstrunk in einem dafür eigens geschnitzten historischen Löffel zu
reichen. Auch dieser Brauch ist historisch verbrieft. Es gab neben dem
Nürnberger und Augsburger Geleitslöffel den sogenannten Willkommlöffel, der
den weniger Durstigen gereicht wurde. Der echte Willkommlöffel stammt aus dem
17. Jahrhundert und hat – nach einigen Irrwegen – heute seinen Platz im
Seligenstädter Landschaftsmuseum gefunden. Viel gäbe es noch von Löffeltrunk
und Geleit zu berichten, doch aus Zeit- und Platzgründen sei hier auf die
Schriften von Dr. Josef Schopp verwiesen, der sich in hohem Maße um die
Erforschung des Löffelbrauchtums verdient gemacht hat. Seligenstadt ist froh
und stolz, ein so einmaliges Brauchtum zu besitzen, und die vor zehn Jahren
gegründete „Bruderschaft zum steyffen Löffel“ hat
es sich zur Aufgabe gemacht, diesem alten Brauch die notwendige
Aufmerksamkeit und Pflege angedeihen zu lassen. |
Möge
ihr allzeit Erfolg und Glück beschieden sein.